"Gegenwart ist geronnene Vergangenheit" - Fachschaft Geschichte

Das Unterrichtsfach Geschichte wird an den Realschulen Bayerns von der sechsten bis zur zehnten Jahrgangsstufe mit jeweils zwei Wochenstunden gelehrt, gehört also zu den nichtschriftlichen („Neben“-)Fächern. Wohl alle Betroffenen (Eltern, Lehrer, Schüler, Lehrplangestalter) sind sich darüber im Klaren, dass ein solcher Zeitrahmen nicht annähernd ausreicht, die ganze historische Stofffülle von der Entstehung der Welt bis zu US-Präsident Obama zu vermitteln. Andererseits genießen historische Themen einen hohen öffentlichen Stellenwert: Festtagsreden, Denkmäler, Gedenkstätten und Gedenkfeiern, Jahrestage, eine Vielzahl an historischen Museen und temporären Ausstellungen, nicht zuletzt die Landshuter Hochzeit, sie alle sind geschichtsträchtig. Wenn der Geschichtsunterricht auf diese ganze Bandbreite angemessen reagieren will, muss er zwangsläufig reduzieren, auch wenn uns Fachlehrern das nicht immer gefällt.

Daraus folgend haben wir in Übereinstimmung mit dem Lehrplan Geschichte an Bayerischen Realschulen, auch unter Mithilfe unseres Schulbuchs „Entdecken und Verstehen“ den historischen Unterrichtsstoff verteilt.

Wo immer es möglich ist, versuchen wir, den Geschichtsunterricht durch Sonderveranstaltungen zu bereichern. So haben in den letzten Jahren fast alle neunten Jahrgangsstufen das Armeemuseum Ingolstadt (die Ausstellung stellt in unnachahmlicher Weise die Schrecken des ersten Weltkriegs dar) und die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht, wir organisieren Kurzführungen durch die Burg Trausnitz, durch Klosteranlagen, die historischen Innenstädte von Landshut und Regensburg, geben Kollegen Empfehlungen für Museumsbesuche auf Klassenfahrten und besuchen historische Sonderausstellungen in der näheren Umgebung. Gerne geben wir auch Eltern Ratschläge, wie man das Familienleben durch Ausflüge zu historischen Stätten der Umgebung bereichern kann. Dass trotzdem nicht alle Themen in ihrer ganzen Differenziertheit behandelt werden können, dafür bitten wir angesichts der Stofffülle einerseits und angesichts der nur knapp zugemessen Unterrichtszeit um Verständnis.

Auf dieser Seite unserer Schulhomepage unterrichten wir Sie möglichst zeitnah über Grundlagen, Aktivitäten und neueste Entwicklungen im Fach Geschichte. 

Fachschaftsleitung: Andrea Böhm

Aus der Rubrik "Aktuelles":

"Um nicht zu vergessen!" - Exkursion nach Dachau (04.12.18)

„Arbeit macht frei“ - Das war der erste Satz, den ich gelesen habe, als wir die Anlage betreten haben, gleich über dem Lagertor. Er sollte den Häftlingen einreden, sie wären in einem „Arbeits- und Umerziehungslager“. Zwangsarbeit wurde hier jedoch als zentrales Mittel des Terrors eingesetzt.

Erste Station: Internationales Mahnmal
Eine eiserne Skulptur, die Häftlingsskelette im Stacheldrahtzaun darstellt. Sie symbolisiert alle Gefangenen, die  in die unter Starkstrom stehende Grenze gelaufen sind, um ihrem grausamen Leben ein Ende zu setzen.
Kurz danach sind wir in die Ausstellung geflüchtet - vor der Kälte, versteht sich.
Diese durften wir uns selbständig ansehen. Dafür hätten wir viel mehr Zeit gebraucht! Vor allem, da hier die Geschichte des Lagers anschaulich dargestellt und einem nochmals vor Augen geführt wurde, wie einerseits im deutschen Volk die Existenz des Konzentrationslagers verdrängt und andererseits wie grausam und unbarmherzig mit Staatsfeinden umgegangen wurde. Häftlinge wurden aufs Schlimmste unterdrückt und falls einer nicht „spurte“, wurde er entweder gleich zum Tode verurteilt oder gefoltert. Dabei war das Leben im KZ schon Folter genug. Gleich am Anfang wurden jedem Gefangenen dreierlei genommen: Sein Eigentum, seine Rechte und seine Freiheit. Auch den Namen ließ man ihm nicht. Stattdessen bekam jeder eine Nummer. Ihm wurde also nicht nur sein gesamtes Hab und Gut gestohlen, sondern auch seine Identität. Der Mensch wurde zum Objekt. Pro Tag bekam ein Gefangener nur ein halbe Scheibe Brot und eine Schüssel Suppe zu essen sowie eine Tasse Wasser. Und das bei harter Arbeit.

In den Baracken konnte man den Verlauf der Veränderungen sehen, als es immer mehr Gefangene gab. Anfangs hatte jeder noch sein eigenes „Bett“ (Holzgestell mit Strohsack, Kopfkissen mit Strohfüllung und Decke). Gegen Ende jedoch wurden die Menschen immer mehr zusammengepfercht, um Platz zu sparen. Zu meinem Erstaunen war das Konzentrationslager in Dachau ursprünglich für 6000 Menschen geplant, jedoch befreiten die amerikanischen Soldaten 1945 mehr als 30.000 verhungerte und erschöpfte Gefangene.

Letzte Station: Krematorium
Der Ort diente der Beseitigung der Leichen aus dem Konzentrationslager. Die Öfen für die Verbrennung der vielen Toten waren Tag und Nacht in Betrieb. Gegen Ende des Krieges reichte ihr Fassungsvermögen nicht mehr aus.

Auch das „Brausebad“, die Gaskammer, konnten wir besichtigen. Für Massentötungen wurde sie in Dachau nicht benutzt. Ob nicht trotzdem Menschen hier vergast wurden, konnte bis heute nicht nachgewiesen werden, da es einfach keine Dokumente dazu gibt.

 Die Zahlen sind erschreckend. Insgesamt wurden 32.000 Todesfälle in Dachau dokumentiert. Viele Tausende von Toten blieben jedoch ungezählt. So kennt man nicht die Anzahl der getöteten jüdischen Häftlinge sowie die von der Gestapo hingerichteten Personen.

In den Gesichtsausdrücken meiner Klassenkameradinnen konnte ich erkennen, dass solch ein „Ausflug“ jeden ein Stück mitnimmt. Heiß diskutierend oder einfach nur nachdenklich verließen wir die Anlage. Doch solche Eindrücke sind wichtig, um nicht zu vergessen, was damals geschah.

„Möge das Vorbild derer, die hier von 1933 bis 1945 wegen ihres Kampfes gegen den Nationalsozialismus ihr Leben ließen, die Lebenden vereinen zur Verteidigung des Friedens und der Freiheit und in Ehrfurcht vor der Würde des Menschen.“ (Gedenksatz am Mahnmal) 

 

 

Vom Naja zum Oha! - Besuch im Barockschloss Nymphenburg (05.05.18)

Schnarch … Gähn … Was steht heute auf dem Programm? Geschichte? Schlossbesichtigung? Wie heißt das Ding? Nymphenburg? Die barocke Sommerresidenz der Wittelsbacher aus dem siebzehnten, achtzehnten Jahrhundert? Naja, mal sehen …

Doch dann kam alles anders…
Am Schloss angekommen bekamen wir eine neunzig Minuten lange, interessante und ausführliche Führung durch die Räume des Schlosses. Wir lernten viel über die Zeit des Barocks, die auch schon im Geschichtsunterricht besprochen worden war, über die Erbauer und Bewohner des Schlosses und die Architektur des gesamten Geländes. 
Anschließend hatten wir etwas freie Zeit und konnten in kleinen Gruppen die anderen anliegenden Parkburgen besichtigen, die zum Schloss gehören. Highlights waren beispielsweise das Marstallmuseum, die Badenburg und – besonders beeindruckend – der riesengroße Schlossgarten.

Geschichte? Schlossbesichtigung? Langweilig? - Keinesfalls! Schön war’s! Wir haben viel Neues erfahren, konnten auch eigenständig die Schlossanlage erkunden und am besten war – das tolle Wetter! 

 

 

Gedanken und Gedenken - Geschichtsexkursion nach Dachau (16.11.17)

Dachau.  Nicht nur im Geschichtsunterricht, sondern auch von Freunden und Familie, die dort bereits waren, hatte man einige Informationen über diesen ehemals grausamen Ort bereits zuvor gehört. Doch nun war es an der Zeit, sich selbst ein Bild davon zu machen. Nach einer Stunde Busfahrt hatten wir unser Ziel erreicht und gingen durch das bekannte Tor mit der Aufschrift: „Arbeit macht frei“. Ein mulmiges Gefühl überkam uns, denn das hier war alles echt und wirklich passiert. Tausende Menschen hatten hier ihr Leben verloren. Bevor unsere Geschichtslehrer uns durch die Gedenkstätteführten, sahen wir einen ungefähr zwanzigminütigen Film über den Zweiten Weltkrieg und das grausame Leben im Lager. Nach dem Film haben wir uns eine Ausstellung angeschaut, die noch einmal wichtige Informationen über den Krieg und das Leben im KZ zu dieser Zeit gab. Zudem waren Notizen, „Spiele“ der Gefangenen und andere Gegenstände ausgestellt. Auch haben wir erfahren, dass die Menschen keine Namen mehr hatten, sondern nur noch als unbedeutende Nummer gesehen wurden. 
Nun wurden wir wurden von unseren Lehrern durch sämtliche Gebäude wie das Lagergefängnis und die Baracken geführt. Wir machten uns ein Bild von den Verhältnissen, die zu dieser Zeit herrschten. Wir sahen uns eine der früher insgesamt 34 Baracken an, die Ende des Krieges von ca. 1600 Gefangenen „bewohnt“ wurde und ursprünglich nur für ca. 200 Personen gedacht war. Aufgrund des Platzmangels wurden die „Betten“ im Lauf der Zeit umgebaut, dies konnte man beobachten als man von Raum zu Raum ging. Auch das Lagergefängnis war beängstigend. Die kleinen Zellen, in denen die Menschen damals hausen mussten, hatten kein richtiges Fenster und waren dunkel, außer einer Toilette war nichts in dem winzigen Raum vorhanden gewesen. Schließlich gingen wir in den hinteren Bereich der Gedenkstätte, in dem sich die Krematorien befanden. Teil der „Baracke X“ war eine Gaskammer. Diese wurde nicht - wie in Auschwitz - zur Massenvernichtung von Menschen benutzt. Jedoch wurden in ihr vermutlich einzelne Personen oder kleinere Gruppen vergast. Es war ein sehr beklemmendes Gefühl, den Raum zu betreten, da dieser zudem noch sehr dunkel war. An die Gaskammer schloss sich ein Raum mit vier Verbrennungsöfen an, die der Verbrennung der Toten dienten.
Es ging weiter mit dem Besuch der Denkmäler verschiedener Konfessionen. Vertreten sind heute hier eine russisch-orthodoxe, eine katholisch, eine evangelische und eine jüdische Gedenkstätte. 
Im Anschluss daran hielten wir noch eine kurze Andacht im Kloster Karmel mit einer der Klosterschwestern. Wir durften auf einen Zettel schreiben, welche Erfahrungen und Gefühle wir mitnehmen, und die Ordensfrau, die stellvertretend für das Kloster da war, hat uns versprochen, dass die Schwestern an uns denken und für uns beten werden. Abschließend legten die jeweiligen Klassensprecher einen „Gedenkstein“ auf das Areal der Stätte.