Verfahrensmechanikerin statt Hebamme - Oder: Girls' Day Akademie

"Seid's frech, trauts eich!" - Mit diesem Appell forderte BMW-Ausbildungsmeister Jakob Schwimmbeck die Mädchen auf, verstärkt eine Ausbildung im MINT-Bereich aufzunehmen: "Wer nix probiert, hod scho verlorn!" Wer  jedoch den Mut aufbringe, sich als Mädchen im Bereich von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik (=MINT) auszubilden, dem stehen viele Tore offen. Schwimmbeck war einer der Podiumsgäste beim Symposium der Girls' Day Akademie, das vor einiger Zeit an unserer Schule stattfand. Vor allem mit gemischten Ausbildungsteams habe er  beste Erfahrungen gemacht, weil Jungs sich besser benähmen, wenn Mädchen mit dabei seien. Er gebe es als Mann ungern zu, dass Mädchen ein Team auch dadurch pushten, weil sie schlichtweg fleißiger seien als viele Jungs. Schwimmbeck stand nicht nur selbst auf der Bühne, sondern er hatte zur Veranstaltung auch drei Auszubildende als Role Models mitgebracht, unter anderem Magdalena Busch, die 2018 an unserer Schule die Mittlere Reife erlangt hatte.  Über den Mathematik-Zweig der Schule, die Teilnahme am Technik-Camp sowie einige Praktika sei sie nun zur Ausbildung als Verfahrensmechanikerin gelangt, die ihr enorm zusage. Ihr alternativer Berufswunsch sei übrigens ein typischer Frauenberuf gewesen, nämlich Hebamme. Im Vergleich zu vielen klassischen Frauenberufen betonte Ewald Zahn von der Agentur für Arbeit, dass Mädchen in MINT-Berufen oft deutlich besser bezahlt würden, bessere Aufstiegschancen hätten und sich um ihre berufliche Zukunft keinen Kummer machen müssten. Selbst die Sorge um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf solle junge Frauen nicht abschrecken. In einem großen Konzern wie der BMW - so Schwimmbeck - sei man aufgrund der großen Mitarbeiterzahl immer flexibel. Laura Schöll von Ventomaxx Landshut meinte hingegen, in kleinen Unternehmen wie dem ihren, wo sich alle duzten, seien dann halt auch mal die Kinder in der Arbeit dabei, wenn die Kita schließe. Man habe bisher immer eine pragmatische Lösung gefunden. Sie sei nach ihrem Studium der Erneuerbaren Energien in Landshut schließlich bei dem Landshuter Unternehmen gelandet, dass Lüftungssysteme konstruiere. Mittlerweile sei sie in der Entwicklungsleitung des Unternehmens und noch immer begeistert vom Werdegang eines neuen Objekts: "Am Anfang steht die Bleistiftzeichnung, vier Jahre später fällt es vom Band und zum Schluss haben wir es alle zu Hause im Keller." In einer Entwicklung komme es laut Schöll auch zu vielen Kommunikationsprozessen und wenn da verschiedene Stimmungen auftauchten, könnten Frauen diese oft besser einschätzen und lotsen. Vorausgegangen war dem Auftritt der Role Models die Vorstellung der Girls' Day Akademie durch Moderatorin Claudia Reiter und Irene Schüler, die als Koordinatorin das Projekt von München aus begleitet. Unsere Schule ist eine von nur 20 Schulen in Bayern, die mit fünfzehn ausgewählten Schülerinnen heuer an diesem für die Schülerinnen kostenlosen regionalen Kooperationsmodell von Wirtschaftsunternehmen, Hochschulen und weiterführenden Schulen teilnimmt. Neben vielen praktischen Übungen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, haben die Mädchen in diesem Schuljahr auch schon MINT-Berufe und MINT-Messen besucht. Veronika Emmig, die die Girls Day'-Akademie an unserer Schule seit vergangenen September begleitet, zeigte sich begeistert, wie selbstbewusst viele Mädchen an die Praxisübungen herangingen, mit wie viel Freude sie Leucht-Wechselschalter aufbauten, Micro-Controller programmierten und Badebrausentabletten herstellten. Man werde an der Ursulinen-Realschule auch künftig keine Probleme haben, genügend Teilnehmerinnen  zu finden. 

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